Enzym-Forschung macht Hoffnung

Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich haben eine Technik entwickelt, mit der Enzyme im Magen-Darm-Trakt eine viel längere Zeit aktiv bleiben. Damit könnten zukünftig Zöliakie und andere Nahrungsmittelunverträglichkeiten behandelt werden.

In der Juni Ausgabe von „Nature Chemistry“ präsentieren die Forscher eine vielversprechende neue Methode, mit der therapeutische Enzyme im Verdauungstrakt vor der Zerstörung geschützt und wirksam stabilisiert werden können. Dazu koppelten die Forscher Polymere an Enzyme und zeigten erstmalig an lebendigen Organismen, dass dadurch Enzyme im Magen und auch im Dünndarm viel länger aktiv bleiben können.

Die Idee, Menschen, die bestimmte Nahrungsbestandteile nicht vertragen, durch die Gabe bestimmter Enzyme zu unterstützen, ist alt. Bisher scheiterten Enzym-Therapieversuche aber in der Regel an den spezifischen Bedingungen im Verdauungsapparat. Denn dieser ist darauf ausgelegt, alle Eiweiße effektiv in ihre Bestandteile aufzuspalten – auch wenn es sich um hilfreiche Enzyme handelt. Daher sind normale Enzyme im Verdauungstrakt innerhalb von wenigen Minuten inaktiv und damit unbrauchbar.

Mit der neuen Methode können jetzt Enzyme durch den Schutz von Polymeren bis zu drei Stunden stabilisiert werden. Das verwendete Polymer zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass es besonders gut an der Magen- bzw. Dünndarm-Schleimhaut anhaftet. Damit verbleiben die Enzyme auch länger am gewünschten Einsatzort.

In Zukunft Einsatz bei Zöliakie denkbar

Auch wenn es sich bei den bisher nur im Tierversuch durchgeführten Experimenten um Grundlagenforschung handelt und eine Marktreife eines entsprechenden Medikaments noch in weiter Ferne liegt, sind nach Meinung der Forscher die ersten Forschungsergebnisse vielversprechend. Eine zukünftige Einsatzmöglichkeit für die therapeutischen Enzyme sehen die Forscher in der Behandlung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, insbesondere von Zöliakie, für die es bisher keine Behandlungsmöglichkeit gibt. So könnten in Zukunft die durch den Polymer-Schutz stabilisierten therapeutischen Enzyme das in der Nahrung enthaltene Gluten in unproblematische Bestandteile zerlegen, bevor es seine schädliche Wirkung entfaltet.

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