Glutenhaltige Babynahrung im Verdacht Zöliakie-Risiko zu erhöhen

Heutzutage geht man davon aus, dass die Glutenunverträglichkeit Zöliakie größtenteils erblich bedingt ist. Dennoch gibt es Hinweise darauf, dass auch die Ernährung eine Rolle spielt. Im Verdacht steht vor allem glutenhaltige Babynahrung in den ersten Lebensmonaten.

Der Verdacht, dass glutenhaltige Babynahrung das Zöliakie-Risiko erhöhen kann, stammt aus Schweden. Dort hatten Mitte 80er Jahre die Zöliakie-Erkrankungen auf einen Schlag dramatisch zugenommen. In wenigen Jahren vervierfachte sich die Zahl der Zöliakie-Fälle bei Kindern im Alter von 0 bis 2 Jahren. Vorausgegangen war eine Änderung der nationalen Empfehlung für Säuglingsernährung. Statt wie bisher glutenhaltige Kost erst mit dem sechsten Lebensmonat zu empfehlen, wurde die Empfehlung diesbezüglich 1982 auf den vierten Lebensmonat abgesenkt. Zudem stillten in Schweden viele Mütter zu dieser Zeit bereits mit dem sechsten Lebensmonat ab. Auch verdoppelte sich der Glutengehalt der in Schweden erhältlichen Folgemilch im Verlauf der frühen 80er Jahre.

Die Folge war,  dass viele Säuglinge bei ihrem Erstkontakt mit Gluten nicht mehr gestillt wurden und ihr empfindliches Immunsystem auf einen Schlag großen Mengen Gluten ausgesetzt war. Wissenschaftler vermuten hier die Ursache für den dramatischen Anstieg der Zöliakie-Erkrankungen unter Kindern. Nachdem 1996 die nationale Empfehlung erneut geändert wurde – es wurde nun empfohlen, Säuglinge ab dem vierten Lebensmonat nur noch mit geringen Mengen glutenhaltiger Beikost zu füttern –  gingen im Folgezeitraum die Zöliakie-Fälle im Vergleich zum Ausgangszeitpunkt der Epidemie Mitte der 80er Jahre deutlich zurück.

DGE: nur kleine Mengen glutenhaltiges Getreide bei Beginn der Beikost

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, noch während des Stillens glutenhaltiger Nahrungsmittel, allerdings nur in kleinen Mengen, beizufüttern. Allgemein sollte mit der Einführung der Beikost frühestens mit Beginn des fünften Monats und spätestens zu Beginn des siebten Monats angefangen werden. Die Stillzeit sollte dabei mindestens das komplette erste Lebenshalbjahr umfassen, eine längere Stillzeit wird empfohlen und es gibt unter gesundheitlichen Aspekten keine Obergrenze für die Dauer der Stillzeit. Wem es nicht möglich ist zu stillen, der sollte auf industriell hergestellte Säuglingsmilchnahrung auszuweichen – von anderen Substituten wie Schafs-, Stuten oder Kuhmilch wird abgeraten.

Laut DGE kann die Einhaltung des Ernährungsplans, bei dem noch während der Stillzeit kleine Mengen glutenhaltiges Getreide beigefüttert werden, das Zöliakie-Risiko um 50 % senken. Allgemein lauten die Empfehlungen der DLG für die Beikost wie folgt:

  • 5. bis 7. Monat: Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei (hier können hin und wieder kleine Mengen glutenhaltiger Nudeln bzw. andere Getreideprodukte (vorzugsweise aus Weizen) beigegeben werden). Anstelle von Fleisch kann auch mal fettreicher Fisch verwendet werden.
  • 6. bis 8. Monat: Milch-Getreide-Brei
  • 7. bis 9. Monat: Getreide-Obst-Brei

Auf Zusatz von Salz oder Aromen sollte generell verzichtet werden. Zudem sollte die Beikost nicht zu süß schmecken.

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