Die Diagnose einer Zöliakie folgt einer klaren Reihenfolge: weiter glutenhaltig essen, Antikörper bestimmen, Befunde fachlich absichern. Wer Gluten schon vorher weglässt, kann Blutwerte und Schleimhautbefunde verfälschen. Diese Seite erklärt den Diagnoseweg Schritt für Schritt: welche Tests relevant sind, wann eine Dünndarmbiopsie nötig ist, welche Regeln für Kinder gelten und wie die Verlaufskontrolle nach der Diagnose aussieht. Überarbeitet: April 2026.

80–90 %
Dunkelziffer – so viele Betroffene sind noch nicht diagnostiziert (DZG)
tTG-IgA
ist der wichtigste Erst-Antikörpertest – Sensitivität >95 %
5–6
Biopsien aus Bulbus und weiterem Duodenum erhöhen die diagnostische Sicherheit deutlich
Diagnoseweg

So läuft die Abklärung in der Praxis ab

  • Weiter glutenhaltig essen: Vor und während der Diagnostik sollte Gluten nicht eigenmächtig weggelassen werden. Antikörper und Schleimhautveränderungen können sich unter glutenfreier Kost zurückbilden und die Ergebnisse unbrauchbar machen.
  • Blutuntersuchung (tTG-IgA + Gesamt-IgA): Der Antikörpertest ist der erste Schritt. Gleichzeitig wird das Gesamt-IgA bestimmt – bei IgA-Mangel sind ergänzende IgG-basierte Tests nötig.
  • Dünndarmbiopsie (Goldstandard): Bei positiver oder unklarer Serologie sichert die Biopsie die Diagnose. Dafür werden mehrere Proben aus verschiedenen Abschnitten des Duodenums entnommen, einschließlich Bulbus und weiterem Duodenum.
  • HLA-Typisierung (bei Bedarf): Wenn Serologie und Biopsie nicht eindeutig sind, kann HLA-DQ2/DQ8 die Diagnose stützen oder nahezu sicher ausschließen.
  • Erst danach glutenfrei ernähren: Nach gesicherter Diagnose beginnt die strukturierte, dauerhaft glutenfreie Ernährung – idealerweise mit ernährungstherapeutischer Begleitung.
Häufigster Fehler in der Praxis: Eigenmächtiger Glutenverzicht vor der Diagnostik. Wer bereits 6–8 Wochen glutenfrei isst, muss für eine aussagekräftige Biopsie unter Umständen einen Glutenprovokationstest durchführen – täglich ~10 g Gluten über mindestens 6 Wochen (S2k-Leitlinie: idealerweise 3 Monate). Das ist unangenehm und vermeidbar.

Serologische Diagnostik – Antikörper im Blut

Die Serologie ist der erste und einfachste Schritt. Sie eignet sich für das Screening, ersetzt die Biopsie aber nicht (Ausnahme: bestimmte Kinder, s. u.). Für aussagekräftige Werte muss der Patient zum Zeitpunkt der Blutentnahme weiterhin glutenhaltig essen.

Antikörper-Übersicht

Die wichtigsten serologischen Tests

tTG-IgA Ersttest

Anti-Gewebe-Transglutaminase-IgA. Sensitivität ~95–98 %, Spezifität ~80–98 % (je nach Testgeneration und Kollektiv). Standard-Ersttest bei Verdacht auf Zöliakie laut S2k-Leitlinie. Gleichzeitig immer Gesamt-IgA bestimmen.

EMA-IgA Bestätigung

Anti-Endomysium-IgA. Hochspezifisch (~99 %), aber aufwändiger Immunfluoreszenz-Test. Korreliert mit dem Schweregrad der Zottenatrophie. Wird zur Bestätigung eines positiven tTG-IgA eingesetzt.

DGP-IgG Bei IgA-Mangel

Deamidierte Gliadinpeptid-Antikörper (IgG). Ersatz für den veralteten AGA-Test. Einsatz bei nachgewiesenem Gesamt-IgA-Mangel. Nicht geeignet für Säuglinge und Kleinkinder – dort häufig falsch-positive Ergebnisse.

Gesamt-IgA immer mitbestimmen: Etwa 2–3 % der Bevölkerung haben einen selektiven IgA-Mangel; bei Zöliakie-Betroffenen ist dieser Anteil erhöht. Bei IgA-Werten unter 0,07 g/l sind alle IgA-basierten Antikörpertests unzuverlässig – dann DGP-IgG oder tTG-IgG verwenden. Auch bei Kindern unter 2 Jahren sind IgA-Tests weniger verlässlich; hier sind zusätzliche Maßnahmen erforderlich.

Veralteter Test: Gliadin-Antikörper (AGA)

Die älteren Anti-Gliadin-Antikörper (AGA-IgA/IgG) wurden früher als Ersttest eingesetzt, gelten aber heute als überholt. Sie haben eine zu niedrige Spezifität – falsch positive Ergebnisse kommen bei anderen Autoimmunerkrankungen und sogar bei gesunden Personen vor. Die S2k-Leitlinie DGVS 2021 empfiehlt den AGA-Test nicht mehr als Routinediagnostikum; er wurde durch die deutlich präziseren DGP-Antikörper ersetzt.

Test Antigen Sensitivität Spezifität Empfehlung
tTG-IgA Gewebe-Transglutaminase >95 % ~95 % Ersttest
EMA-IgA Endomysium ~90 % ~99 % Bestätigung
DGP-IgG Deamidiertes Gliadinpeptid ~90 % ~95 % Bei IgA-Mangel
tTG-IgG Gewebe-Transglutaminase ~80 % ~95 % Bei IgA-Mangel
AGA-IgA/IgG (veraltet) Gliadin (nativ) ~75 % ~75 % Nicht empfohlen

Quellen: S2k-Leitlinie DGVS Dez. 2021; Eurofins Labordiagnostik; Medicover Diagnostics

Histologische Diagnostik: Dünndarmbiopsie

Die Dünndarmbiopsie bleibt der Goldstandard zur Diagnosebestätigung bei Erwachsenen. Sie wird im Rahmen einer Gastroduodenoskopie durchgeführt. Für eine zuverlässige Beurteilung werden mehrere Proben aus verschiedenen Abschnitten des Duodenums empfohlen, einschließlich Bulbus und weiterem beziehungsweise distalem Duodenum. Das ist wichtig, weil Zöliakie-Läsionen fleckenförmig verteilt sein können.

Marsh-Klassifikation – Schweregrade der Schleimhautschädigung

Die histologischen Befunde werden nach der modifizierten Marsh-Klassifikation eingeteilt. Sie beschreibt das Ausmaß der Schädigung von der Zunahme intraepthelialer Lymphozyten bis zur vollständigen Zottenatrophie:

Marsh-Typ Befund IEL/100 Epithelzellen Bedeutung für Diagnose
Marsh 0 Normal <25 Keine Zöliakie
Marsh 1 Erhöhte IEL, normale Zotten ≥25 Mögliche Zöliakie; nicht diagnostisch allein
Marsh 2 Kryptenhyperplasie + erhöhte IEL ≥25 Verdächtig; Serologie zur Einordnung
Marsh 3a Partielle Zottenatrophie ≥25 Typisch für Zöliakie
Marsh 3b Subtotale Zottenatrophie ≥25 Typisch für Zöliakie
Marsh 3c Totale Zottenatrophie ≥25 Schwere Zöliakie

IEL = Intraepitheliale Lymphozyten. Quelle: Oberhuber et al., mod. Marsh-Klassifikation; S2k-Leitlinie DGVS 2021.

Biopsie-Befunde

Was die Gewebeprobe zeigt

Zottenatrophie

Verkürzung oder vollständiger Verlust der Dünndarmzotten. Vermindert die Resorptionsfläche des Dünndarms erheblich – Ursache für Nährstoffmangel bei Zöliakie.

Kryptenhyperplasie

Kompensatorische Verlängerung der Krypten (Drüsenschläuche). Verringertes Zotten-Krypten-Verhältnis ist ein klassisches Zöliakie-Zeichen.

Erhöhte IEL-Zahl

Intraepitheliale Lymphozyten >25/100 Epithelzellen sind das früheste histologische Zeichen. Können auch bei anderen Erkrankungen erhöht sein.

Entzündungszellen im Stroma

Erhöhte Anzahl von Plasmazellen und Lymphozyten in der Lamina propria – Zeichen der chronischen Immunreaktion auf Gluten.

Marsh 1 allein ist nicht diagnostisch für Zöliakie – weitere Ursachen (Helicobacter pylori, NSAID, andere Autoimmunerkrankungen) müssen ausgeschlossen werden. Erst die Kombination aus positiver Serologie und Marsh ≥2 sichert die Diagnose.

Sonderfall: Diagnose bei Kindern (ESPGHAN 2020)

Für Kinder und Jugendliche hat die Europäische Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie (ESPGHAN) 2020 aktualisierte Leitlinien veröffentlicht, die unter bestimmten Bedingungen eine Diagnose ohne Biopsie ermöglichen.

ESPGHAN 2020 – Kinder & Jugendliche

Wann ist keine Biopsie nötig?

Eine Biopsie kann bei Kindern entfallen, wenn alle vier der folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • tTG-IgA ≥ 10-fach über dem oberen Normbereich
  • EMA-IgA positiv in einer zweiten unabhängigen Blutprobe
  • Positiver Nachweis von HLA-DQ2 und/oder HLA-DQ8
  • Kind zeigt glutentypische Symptome oder gehört einer Hochrisikogruppe an
Diese Ausnahmeregel gilt ausschließlich für Kinder und Jugendliche. Bei Erwachsenen bleibt die Biopsie der Standard – auch bei sehr hohen Antikörperwerten. Bei Kindern unter 2 Jahren sind IgA-Tests weniger verlässlich; hier ist besondere Vorsicht geboten.

Abgrenzung: Zöliakie, Weizensensitivität und Weizenallergie

Drei unterschiedliche Erkrankungen äußern sich ähnlich – werden aber anders diagnostiziert und haben unterschiedliche Konsequenzen.

Differentialdiagnose

Was ist der Unterschied?

Zöliakie

Autoimmunreaktion mit nachweisbarer Schleimhautschädigung (Marsh ≥2). tTG-IgA positiv. Lebenslange, strikt glutenfreie Ernährung zwingend notwendig.

Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität

Ausschlussdiagnose: Zöliakie und Weizenallergie ausgeschlossen, Biopsie unauffällig, tTG-IgA negativ, trotzdem Beschwerden nach Weizen oder glutenhaltigen Lebensmitteln. Kein Standardtest vorhanden.

Weizenallergie

IgE-vermittelte Allergie. Schnelle Reaktion (Minuten bis Stunden nach Kontakt). Nachweis per spezifischem IgE-Test oder Prick-Test beim Allergologen – nicht über Zöliakie-Antikörper.

Zur Einordnung: Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität wird nicht über „Anti-IgE”-Tests nachgewiesen – IgE ist für allergische Reaktionen zuständig. Die Einordnung erfolgt ausschließlich durch Ausschluss von Zöliakie und Weizenallergie sowie durch einen kontrollierten Eliminationsversuch.

Verlaufskontrolle nach der Diagnose

Eine gesicherte Zöliakie-Diagnose ist nicht das Ende des medizinischen Begleitprozesses – regelmäßige Kontrollen sind wichtig, um die Einhaltung der glutenfreien Diät zu überprüfen und Mangelzustände frühzeitig zu erkennen.

Direkt nach Diagnose
Ernährungsberatung durch glutenfrei spezialisierte Fachkraft. Basiswerte bestimmen: Eisen, Ferritin, Folsäure, Vitamin B12, Vitamin D, Calcium, Zink, TSH. Ggf. Knochendichtemessung (DXA) bei länger unerkannter Zöliakie oder Osteoporose-Verdacht.
Nach 6 Monaten glutenfreier Diät
Erste Antikörperkontrolle: tTG-IgA sollte um mindestens 50 % gesunken sein. Persistierende oder wieder ansteigende Werte deuten auf unbewusste Glutenaufnahme oder Diätfehler hin. Mangelwerte kontrollieren.
Nach 12 Monaten
tTG-IgA sollte unter den Grenzwert abgefallen sein. Manche Betroffene (insbesondere ältere Erwachsene oder Marsh-3c-Fälle) brauchen länger. Erneute Mangelkontrolle; bei anhaltend hohen Antikörpern ggf. erneute Biopsie zur Verlaufsbeurteilung.
Danach: jährlich
Jährliche Kontrolluntersuchung beim Gastroenterologen auch bei Beschwerdefreiheit. Überprüfung von tTG-IgA, Eisenstatus und Vitamin D. Screening auf Folgeerkrankungen (Osteoporose, Schilddrüse). Screening von Verwandten 1. Grades empfohlen.
Hochrisikogruppen

Wer sollte auf Zöliakie getestet werden?

Symptomatische Indikation

Chronische Durchfälle oder Verstopfung · Ungeklärter Gewichtsverlust · Eisenmangel-Anämie ohne andere Ursache · Blähungen, Bauchschmerzen · Müdigkeit, Leistungsminderung · Dermatitis herpetiformis · Aphthöse Stomatitis rezidivierend · Kleinwuchs bei Kindern

Erhöhtes Risiko ohne Symptome

Verwandte 1. Grades von Zöliakie-Betroffenen · Diabetes mellitus Typ 1 · Autoimmune Thyreoiditis (Hashimoto) · Down-Syndrom, Turner-Syndrom, Williams-Syndrom · Selektiver IgA-Mangel · Unerfüllter Kinderwunsch / Fehlgeburten ungeklärter Ursache

Vorbereitung

Was Sie vor dem Arzttermin bereithalten sollten

  • Aktuelle Beschwerden notiert: Dauer, Häufigkeit, Auslöser – auch untypische Symptome wie Müdigkeit oder Gelenkschmerzen.
  • Ernährungsprotokoll: Falls bereits Diätversuche gemacht wurden, diese dokumentieren – besonders wichtig für den Arzt zur Einschätzung der Testergebnisse.
  • Vorbefunde mitbringen: Frühere Blutbilder, Eisen-, Vitamin-D-, B12-Werte, Schilddrüsenwerte – soweit vorhanden.
  • Familienanamnese: Zöliakie, andere Autoimmunerkrankungen, Diabetes Typ 1 oder Schilddrüsenerkrankungen in der Familie.
  • Medikamentenliste: Manche Medikamente (z. B. Azathioprin, Immunsuppressiva) können Antikörperwerte beeinflussen.
  • Bis zum Test glutenhaltig essen: Der wichtigste Punkt – nicht eigenständig umstellen vor der Diagnostik.
Falls Sie bereits seit Wochen glutenfrei essen und auf Zöliakie getestet werden möchten: Sprechen Sie Ihren Arzt auf eine Glutenprovokation an. Dabei werden ~10 g Gluten täglich für mindestens 6 Wochen (S2k-Leitlinie: idealerweise 3 Monate) eingeführt, bevor die Tests erfolgen. Das ist die einzige Möglichkeit, noch aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten.

Häufige Fragen zur Zöliakie-Diagnostik

Was passiert, wenn ich mich bereits glutenfrei ernähre und dann testen lassen will?

Wenn Sie seit einigen Wochen glutenfrei essen, sind Ihre Antikörperwerte möglicherweise schon gesunken und die Darmschleimhaut hat sich teilweise erholt. Die Testergebnisse können dann unauffällig ausfallen, obwohl eine Zöliakie vorliegt. In diesem Fall ist ein sogenannter Glutenprovokationstest notwendig: täglich etwa 10 g Gluten (entspricht ca. zwei Scheiben Brot) über mindestens 6 Wochen – die S2k-Leitlinie empfiehlt idealerweise 3 Monate, dann erneuter Bluttest und ggf. Biopsie. Sprechen Sie dies unbedingt mit Ihrem Arzt ab.

Mein tTG-IgA ist positiv, aber die Biopsie war unauffällig – was bedeutet das?

Das ist nicht selten und kann mehrere Ursachen haben: (1) Die Zöliakie ist noch im Frühstadium (Marsh 1 – nur erhöhte Lymphozyten, noch keine Atrophie). (2) Zu wenige Biopsieproben wurden entnommen oder die Läsionen sind fleckenförmig verteilt. (3) Ein falsches positives Serologie-Ergebnis bei anderen Autoimmunerkrankungen. In solchen Fällen empfiehlt die S2k-Leitlinie, HLA-DQ2/DQ8 zu bestimmen und die Verlaufskontrolle engmaschig fortzuführen – oft zeigen sich nach einigen Monaten eindeutigere Befunde.

Kann ich auf Zöliakie testen, ohne eine Biopsie machen zu lassen?

Bei Erwachsenen ist die Biopsie weiterhin notwendig, um die Diagnose zu sichern. Eine alleinige Serologie reicht nicht aus – dafür sind die Antikörpertests nicht spezifisch genug, und es gibt andere Erkrankungen, die ähnliche Antikörpermuster erzeugen. Bei Kindern unter bestimmten Voraussetzungen (ESPGHAN 2020, s. o.) kann auf die Biopsie verzichtet werden. Heimtests und Apothekentests können für ein erstes Screening hilfreich sein, ersetzen aber nie die ärztliche Diagnostik.

Wie lange dauert es, bis die Testergebnisse vorliegen?

Die Blutuntersuchung auf tTG-IgA und Gesamt-IgA liegt in der Regel innerhalb von 2–5 Werktagen vor. Die histologische Auswertung der Biopsieproben dauert üblicherweise 1–2 Wochen. In Speziallaboren oder Uni-Kliniken kann die Bearbeitungszeit variieren. Für das Ergebnis eines Termins ist also insgesamt mit 1–3 Wochen Wartezeit zu rechnen.

Muss nach der Diagnose erneut biopsiert werden?

Nicht routinemäßig – bei klinischer Verbesserung und sinkendem tTG-IgA unter glutenfreier Diät ist eine erneute Dünndarmbiopsie laut S2k-Leitlinie nicht zwingend notwendig. Sie kann jedoch sinnvoll sein bei: (1) anhaltend hohen oder wieder ansteigenden Antikörperwerten trotz strenger glutenfreier Diät, (2) persistierenden Symptomen, (3) Verdacht auf refraktäre Zöliakie oder intestinales Lymphom. Bei Kindern ohne initiale Biopsie (ESPGHAN-Weg) ist eine Biopsie nach 2 Jahren glutenfreier Diät sinnvoll zur Verlaufskontrolle.

Ich habe HLA-DQ2/DQ8 – habe ich Zöliakie?

Nein. HLA-DQ2 oder DQ8 sind genetische Voraussetzungen, keine Erkrankung. Etwa 20–40 % der Allgemeinbevölkerung tragen eines dieser Merkmale, erkranken aber nicht an Zöliakie. Das Fehlen dieser Gene schließt Zöliakie mit fast 100 %iger Wahrscheinlichkeit aus. Das Vorhandensein allein sagt nichts über eine bestehende Erkrankung aus – dafür sind Serologie und ggf. Biopsie notwendig.

Diagnostik in vier Schritten

Schritt Was passiert? Wichtig zu wissen
1. Verdacht Symptome, Risikogruppen und Laborwerte werden eingeordnet. Gluten nicht eigenständig absetzen.
2. Bluttest Meist tTG-IgA plus Gesamt-IgA, je nach Situation weitere Antikörper. IgA-Mangel kann die Interpretation verändern.
3. Fachärztliche Abklärung Gastroenterologie prüft Befunde und entscheidet über Biopsie. Bei Erwachsenen ist die Biopsie häufig Teil der Diagnose.
4. Nach Diagnose Glutenfreie Ernährung, Ernährungsberatung und Verlaufskontrollen. Antikörper und Mangelwerte sollten kontrolliert werden.

Diagnose-Fahrplan im Detail

Zöliakie-Diagnostik ist kein einzelner Test, sondern eine Reihenfolge aus Verdacht, Blutwerten, möglicher Biopsie und fachlicher Einordnung. Genau diese Reihenfolge ist entscheidend, weil eine bereits begonnene glutenfreie Ernährung Antikörperwerte und Schleimhautbefunde verfälschen kann.

Phase Was geklärt wird Warum es zählt
1. Verdacht prüfen Symptome, Familienanamnese, Autoimmunerkrankungen, Mangelwerte. Zöliakie kann mit Durchfall auftreten, aber auch nur mit Eisenmangel, Müdigkeit oder Hautzeichen.
2. Gluten weiter essen Keine eigenständige glutenfreie Diät vor Bluttest oder Endoskopie. Ohne Glutenbelastung können Antikörper sinken und die Schleimhaut heilt teilweise ab.
3. Serologie Meist tTG-IgA plus Gesamt-IgA; je nach Situation EMA oder IgG-basierte Tests. Ein IgA-Mangel kann Standardtests verfälschen und muss mitgedacht werden.
4. Dünndarmbiopsie Gewebeproben aus dem oberen Dünndarm. Bei Erwachsenen bleibt sie in vielen Fällen der zentrale Bestätigungsschritt.
5. Kinder-Sonderweg Bei sehr hohen tTG-IgA-Werten kann nach pädiatrischer Leitlinie unter Bedingungen ein No-Biopsy-Weg möglich sein. Das entscheidet eine kindergastroenterologische Praxis, nicht ein Heimtest.
6. Genetik HLA-DQ2/DQ8. Hilft vor allem beim Ausschluss; ein positiver Gentest beweist Zöliakie nicht.

Internationale Leitlinien und Patienteninformationen setzen denselben Kernpunkt: Bluttests und gegebenenfalls Biopsien sollten vor der glutenfreien Diät erfolgen. Für Details nennen Fachquellen unter anderem die ESPGHAN-Leitlinie für Kinder und die Diagnoseinformationen des NIDDK als Orientierung.

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