Zöliakie-Test: Wann ist er sinnvoll und wie wird er durchgeführt?
Zöliakie ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland – und dennoch bleibt sie bei einem Großteil der Betroffenen jahrelang unerkannt. Ein einfacher Bluttest kann erste Klarheit schaffen. Aber wann ist ein Zöliakie-Test sinnvoll, wie läuft er ab, und was passiert danach?
Wann sollte man einen Zöliakie-Test machen?
Ein Test ist immer dann sinnvoll, wenn Sie an anhaltenden, unerklärlichen Beschwerden leiden oder zur Risikogruppe gehören:
- Chronischen Durchfällen, Blähungen, Bauchkrämpfen
- Unerklärlichem Gewichtsverlust
- Anhaltender Müdigkeit und Erschöpfung
- Eisenmangel-Anämie ohne klare Ursache
- Osteoporose in jungem Alter
- Depressionen, Brain Fog, neurologischen Beschwerden
- Verwandten ersten Grades mit Zöliakie
- Diabetes mellitus Typ 1 oder anderen Autoimmunerkrankungen
- Down-Syndrom, Turner-Syndrom oder Williams-Syndrom
- Dermatitis herpetiformis (juckende Bläschen an Ellenbogen, Knien, Gesäß)
Schritt 1: Der Bluttest
Der erste Schritt ist ein Bluttest beim Hausarzt. Dabei werden folgende Werte bestimmt:
| Test | Was er misst | Empfehlung |
|---|---|---|
| tTG-IgA (anti-Gewebstransglutaminase) | Wichtigster Screeningtest für Zöliakie | Erste Wahl |
| Gesamt-IgA | Schließt IgA-Mangel aus (würde tTG-IgA fälschen) | Immer mitbestimmen |
| EMA-IgA (Endomysium-Antikörper) | Sehr spezifisch für Zöliakie | Bestätigungstest |
| DGP-IgA/IgG (deaminiertes Gliadin) | Hilfreich bei IgA-Mangel und Kindern unter 2 Jahren | Ergänzend |
Ein positives Testergebnis bedeutet noch keine gesicherte Diagnose. Es ist ein wichtiger Hinweis, dem weitere Untersuchungen folgen müssen.
Schritt 2: Die Dünndarmbiopsie
Der „Goldstandard” der Zöliakie-Diagnose ist die Dünndarmbiopsie – eine Gewebeentnahme bei einer Magenspiegelung (Gastroskopie). Dabei werden kleine Gewebeproben aus dem Zwölffingerdarm entnommen und unter dem Mikroskop auf charakteristische Veränderungen untersucht:
- Abflachung der Darmzotten (Zottenatrophie, Marsh-Klassifikation Grad 3)
- Vermehrung von Abwehrzellen in der Darmschleimhaut
- Verlängerung der Darmkrypten
Für eine aussagekräftige Biopsie müssen mindestens 4–6 Gewebeproben aus verschiedenen Stellen des Dünndarms entnommen werden.
Ausnahme: Diagnose ohne Biopsie (bei Kindern)
Für Kinder und Jugendliche gilt seit der überarbeiteten ESPGHAN-Leitlinie 2012/2020: Wenn der tTG-IgA-Wert mehr als das 10-fache des Normwertes überschreitet und EMA-Antikörper positiv sind und HLA-DQ2 oder DQ8 vorliegen, kann auf eine Biopsie verzichtet werden. Diese Ausnahme gilt nicht für Erwachsene.
Schritt 3: Genetischer Test (optional)
Ein HLA-Gentest kann sinnvoll sein, wenn der Verdacht auf Zöliakie besteht, die Antikörper aber negativ sind (z. B. bei sehr strenger glutenfreier Vorkost). Etwa 95 % aller Zöliakie-Betroffenen tragen HLA-DQ2 oder HLA-DQ8. Ein negativer Gentest schließt Zöliakie mit hoher Wahrscheinlichkeit aus.
Selbsttests aus der Apotheke
Im Handel gibt es Zöliakie-Schnelltests für zu Hause. Diese messen meist den tTG-IgA-Wert aus einer Blutprobe vom Finger. Sie können ein erster Hinweis sein, ersetzen aber keinen ärztlichen Befund. Die Sensitivität dieser Tests liegt unter jener eines Labortests. Ein negativer Selbsttest schließt Zöliakie nicht aus.
Nach der Diagnose: Was jetzt?
Eine gesicherte Zöliakie-Diagnose erfordert:
- Sofortiger Beginn einer glutenfreien Ernährung – lebenslang und strikt
- Ausgleich von Nährstoffmängeln (Eisen, Kalzium, Vitamin D, Folsäure, B12)
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen (Antikörper nach 6 und 12 Monaten)
- Screening auf Begleiterkrankungen (Schilddrüse, Knochendichte)
- Beratung durch Ernährungsfachkraft
- Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe oder der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG)